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Straßenmusik in Frankreich II

Wir wünschen viel Freude beim Lesen unserer Erlebnisse in Frankreich vom 22.07-28.07.10. Unser ganz besonderer Dank gilt unseren Familien, die uns dieses Abenteuer ermöglichten. Sie haben uns in unseren Herzen stets begleitet.

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Donnerstag, 22.07.10, Freitag, 23.07.10
Nach der Abfahrt stellen wir bereits kurz vor Hannover fest, dass wir eigentlich alles dabei haben. Nur die CDs haben wir vergessen, alle 50. Nach einer ausführlichen, gleichberechtigen Diskussion, ob wir umdrehen, um sie zu holen sind wir schon durch die Kassler Berge und sind uns außerdem sicher, dass alle zukünftigen Fans die CD einfach  über die Homepage bestellen können, da wir reichlich Visitenkarten dabei haben.

2 oder 3 Kaffeepausen weiter begrüßt uns Freiburg mit 19° und tropfenförmigem Hochnebel. Wir bewundern ausführlich die Blickdichte der süddeutschen Maisfelder und erfrischen unsere Füße

in der Dreisam, die uns bis in die Innenstadt begleitet. Ein leckeres Frühstück weiter stellen wir fest, dass die Straßenmusikerdichte in Freiburg recht hoch ist. Dennoch gelingt es uns an der meistbefahrenen Tramkreuzung zu spielen.

Wir geben alles. 2 Stunden und einige Standortexperimente weiter sind wir mit uns zufrieden und genießen unseren ersten selbstverdienten Kaffee. Zu erwähnen ist noch der Musiker „Way“, der gleichzeitig eine kleine orientalische Trommel und Digeridoo spielt. Helge spielt zwei Stücke mit

ihm, die Kasse klingelt. Abgegeben hat er nichts, aber das war schon o.k. – hört ihn Euch an, wenn Ihr mal in Freiburg seid, vielleicht spielt er wieder am Kaufhofeingang, die Passage hat eine tolle Akustik, ist aber auch von vielen Musikern frequentiert. Wir haben viele osteuropäische Musiker gesehen und gehört: Geige, russische Gesänge, Schifferklavier; außerdem: einen Peruaner,  der gleichzeitig eine 8-saitige Ukulele und Panflöte spielte. Ach ja: Wir hatten unter den Arkaden an der Tramhaltestelle am meisten Zuspruch und nette Kontakte: tanzende Kinder,  liebe Leute. Der Wochenmarkt am Münster war schön, aber unergiebig. Man muss den Markt meiden und darf nur am Rand spielen. Generell gilt für Freiburg: spielen ist nur von 11 bis 11.45 Uhr und nach 16  Uhr gestattet. So richtig daran gehalten hat sich aber keiner.

Nach ausgiebiger Suche haben wir sogar unser rollendes Heim wiedergefunden.


350 km Autobahn und Regen weiter kommt die Sonne in Lons de Sognier für uns heraus. Schlagartig wird es warm. Wir erkunden am späten Nachmittag die „Centre Ville“. Ein großer moderner Springbrunnen begrüßt uns, die öffentlichen Toiletten sind gepflegt, vor und hinter dem Theatergebäude befinden sich einige Restaurants mit recht vielen Gästen. Weiter geht es durch einige kleinere Straßen, in denen wir 2 Musikkneipen ausmachen sowie eine schöne alte Kirche mit intensivem Weihrauchgeruch. Zurück geht es zum Womo und hoch in das Naherholungsgebiet, das wir auf einem Stadtplan entdeckt haben (Montcielle). Die Steigung ist enorm. Oben angekommen finden wir uns in einer parkähnlichen Idylle wieder. Wir haben einen großen Parkplatz fast für uns alleine, es ist wenig Betrieb. Nebenan beginnt ein Trimm-Dich-Pfad für Rollstuhlfahrer, nicht weit entfernt ein kleiner Hochseilgarten. Nachdem wir uns gestärkt haben, greifen wir unsere Räder und Instrumente und fahren zurück in den Ort, wo uns eine Überraschung erwartet. Die Plätze und Restaurants liegen in schöner Abendstimmung nahezu verlassen vor uns. Einzig in dem recht edlen Restaurant direkt hinter dem Theater finden wir einen freundlichen Betreiber und eine ausreichende Zahl an Zuhörern, die unsere Musik zu schätzen wissen. Übertroffen wird der Zuspruch, den wir erfahren, ein wenig später durch den Applaus, den wir von den jungen Leuten vor der Musikkneipe erhalten. Nach den ersten beiden Liedern gesellen sich auch diejenigen, die zuvor drinnen saßen, zu uns. Liederwünschen (etwas von Kiss, etwas Bekanntes zum Mitsingen) werden wir zwar nicht gerecht, werden aber dennoch sehr freundlich mit Freigetränken und finanziellen Mitteln beschenkt. Auch erfahren wir, dass in Lons de Sognier im Sommer abends kaum etwas los ist, da es wenig Tourismus und keine Universität gibt.
Den Weg zurück auf den Hügel bewältigen wir genüsslich schweigend und schwer atmend. Nach kurzer Erholungsphase tauschen wir unsere Erlebnisse aus und gehen zufrieden schlafen.


Tipp des Tages: Achtet in Freiburg auf die aggressiven Fahrradfahrer! Stets die Richtung anzeigen.

 

Samstag, 24.07.10
Helge läuft und Florian und Willy zählen die Runden (1,5), während sie ein leckeres Frühstück zusammenstellen. Die Fahrt über die Route National bis kurz vor Lyon ist voller schöner Aussichten, die Autobahn anschließend sehr voll, die Ausweichstrecke über die nächste Route National ist von vielen anderen Menschen mit dem selben Gedanken  wie wir ihn haben verstopft, die Autobahn dann glücklicherweise wieder frei und wir kommen endlich gut voran bis Uzés,

finden einen schönen Campingplatz (camping la paillotte)

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mit einem kleinen Pool sowie einer kleinen Bar, und das sogar in guter Fahrradreichweite bis zur Centre Ville. Einen kurzen Sprung in den Pool und eine kleine Erfrischung später schwingen wir uns auf die Räder und steuern die ersten Restaurants an. Etwas entfernt von einem Alleinunterhalter mit Cowboyhut und einem Haufen Playback-Material legen wir los und erfahren erneut großen Zuspruch. Der Abend ist zum Musizieren gemacht. Es wird bald dunkel, die Wärme umschmeichelt uns, gelegentlich weht der Mistral durch die Gassen, erfrischend aber nicht kalt. Das dritte Restaurant, das wir ansteuern, ist eine Pizzeria in einer kleinen Gasse. Hier finden wir eine optimale Akustik und ein begeisterungsfähiges Publikum, das uns reich beschenkt. Hinter der Gasse eröffnet sich uns ein paradiesischer Anblick:

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romantisch liegt ein großer Marktplatz mit zahlreichen Restaurants in verschiedenen Größen vor uns. Vollendet wird das Bild von einem schönen runden Springbrunnen, in dem bisweilen Kinder planschen und spielen. Wir steuern das Restaurant mit den meisten Sitzgelegenheiten und Gästen an und wollen ausprobieren, wie es ist, vor so vielen Leuten zu spielen. Es funktioniert, ist aber – wie vermutet – nicht so persönlich und atmosphärisch wie in den kleineren Restaurants. Für das Herumgehen und unsere Bitte „pour la musique, sil vous plait“ benötigen wir zwei Maxiversionen von „slow down“ und „puppet prince“, die Willy und ich celebrieren, während Florian mit unserer hölzernen Geldschatulle vor uns von Tisch zu Tisch geht.


Eine leckere Pizza später sitzen wir vor einem Restaurant an der Hauptstrasse, auf der wenig bis kein Verkehr herrscht. Es ist kurz nach 23.00 Uhr, der Alleinunterhalter vor dem Thai-Restaurant ist am Abbauen und zeigt dabei noch die ein oder andere Tanzeinlage zur Musik aus der Konserve.

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Wir lassen den Abend Revue passieren, während um uns herum die französische Jugend – auch mit Gitarre – den ausklingenden Samstagabend genießt. Wieder haben wir viel Zuspruch erfahren, sind reich beschenkt worden und haben viele interessante, witzige und skurrile Begegnungen und Erlebnisse gehabt: vom kleinen Jungen, der voller Freude während unseres Spielens über die Saiten unserer Gitarren streichen durfte, über die introvertierte junge Frau, die so gerne „Wild world“ von Cat Stevens gehört hätte bis hin zu den Restaurant-Besitzern, die uns später bereits von sich aus grüßten.


Tipps des Tages:
Verlasse nicht überstürzt die Autobahn und bleibe hartnäckig am Tisch, damit die Zuhörer genug Zeit haben, Ihr Portemonnaie zu leeren.

 

Sonntag, 25.07.10 – Une nuit sous la lune
Willy und Florian haben die Nacht in ihren Schlafsäcken draußen verbracht und es in vollen Zügen genossen. Der kalte Pool erfrischt uns am Morgen. Gestärkt durch Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und leckeres Baguette machen wir uns gegen Mittag auf den Weg um zu schauen, ob es sich auch lohnt, tagsüber im Ort zu musizieren. Tatsächlich erfahren wir erneut und auch zu dieser Tageszeit großen Zuspruch. Die Leute essen gemütlich Mittag und genießen unsere Musik, die Sonne, den weiterhin wehenden erfrischenden Mistral und das Nichtstun. Die Stadt zeigt sich von ihrer besten Seite, einfach toll. Wir probieren alte und neue Stellen aus, bis wir um 14.00 Uhr die erste wohlverdiente Pause einlegen.

Wir gönnen uns von unseren Einnahmen Erfrischungen und Espresso, schlendern weiter durch die Gassen und starten um 14.45 Uhr die zweite Runde. Es ist sehr heiß, wir erhalten wiederum viel Beifall, als wir uns verabschieden. Allerdings ist es durch die Hitze recht anstrengend gewesen, so dass wir uns bereits jetzt entscheiden, in den nächsten Tagen unsere Kräfte zu fokussieren und anders einzuteilen.

Auf dem Weg zu unseren Fahrrädern treffen wir Nathan. Nathan ist ein junger Franzose, der mit seinem Fahrrad und seinem Anhänger durch den Sommer und die Gegend tourt, um auf der Straße seine eigenen Lieder zu performen. Er spielt Gitarre und Mundharmonika. Spontan spielen Florian und ich zwei Stücke mit ihm und haben viel Freude beim gemeinsamen Musizieren, während Willy uns mit der Kamera von Nathan filmt.

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Eine Gruppe von Zuschauern bildet sich, die in ein paar Metern Entfernung Spaß beim Zuhören hat. Soweit wir es verstehen handelt es sich bei seinen Songs um politische Themen, so dass er nicht in die Bars und Restaurants geht um zu spielen, sondern „reine“ Straßenmusik bevorzugt. Nach einem Austausch der Internetadressen und Erfahrungen zieht es uns zurück zum Campingplatz. Er wird sicherlich Leute finden, bei denen er nächtigen und essen kann.


Auf dem Campingplatz herrscht reges Treiben am Pool, wir erfrischen uns ausgiebig, waschen endlich unser Geschirr ab und machen uns hungrig erneut auf in die Stadt, um in unserer Lieblingspizzeria zu speisen und anschließend unsere musikalische Runde hier zu beginnen. Die bleierne Schwere der Tageshitze und den vollen Magen singen und spielen wir uns aus und trotz des erschwerend wirkenden Windes gelingt es uns, die Leute zu begeistern, egal, wo wir spielen. Es ist fast wie ein Rausch. Wir werden mit Beifall und finanziellen Mitteln belohnt. Auf der Straße und in den Bars und Restaurants begegnet man uns mit Begeisterung und Freundlichkeit egal wo wir uns blicken lassen. 

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Zufrieden mit uns und der Welt flanieren wir noch ein wenig durch die leerer werden  Gassen, finden noch ein Restaurant, das wir bisher übersehen hatten und merken es uns für die nächste Gelegenheit. Müde und erfüllt verlassen wir gegen 23.00 Uhr die Innenstadt und begeben uns in die Idylle des Campingplatzes, der uns im Mondschein erwartet. Gemütlich klingt der Abend aus, wir tauschen unsere Erfahrungen aus und sind glücklich, miteinander eine solche Zeit erleben zu dürfen.

Tipp des Tages: Lass Dir Zeit für unerwartete Begegnungen!

 

Montag, 26.07.10
Wir fühlen uns so wohl auf dem Campingplatz und in der Stadt, dass wir beschließen, länger hierzubleiben. Wir haben hier alles, was wir uns für eine Woche Straßenmusik in Frankreich erträumt haben. Die Kombination aus Campingplatzidylle und Touristentreiben in der Stadt ist optimal.
Während des Frühstückes kommen wir überein, am heutigen Tag nur am Abend zu musizieren, damit Willy seine Stimme schonen kann. Bereits gestern Abend zeichnete sich der Beginn einer Erkältung bei ihm ab, die nun voll im Gange ist. Dies hindert ihn aber nicht, gemeinsam mit Florian und mir nach dem Frühstück an den mehrstimmigen Gesangssätzen von „hear me calling“ zu arbeiten und sich anschließend gemeinsam mit uns mit einem neuen Stück zu beschäftigen. Wir arrangieren, texten und komponieren gemeinsam – etwas, für das wir sonst kaum gemeinsam Zeit aufbringen können. Es klingt gut und macht Spaß – „I did anything for love“ ist im „Willy-Groove“ angesiedelt.

Nachdem Willy sich noch eine Weile mit dem Text beschäftigt hat, begeben wir uns zum Pool, genießen den Nachmittag, spielen das erste Mal Boule.


Endlich treibt uns der Hunger in den Ort. Wir landen nach einem kleinen Rundgang wieder in „unserer“ Pizzeria. Allerdings ist es für andere Gerichte zu früh, so dass wir wieder eine leckere Pizza bestellen. Während diese im Ofen gart geselle ich mich zu Nathan, der einige Meter weiter die Menschen unterhält. Wir spielen zwei seiner Stücke zusammen, dann beendet er sein Programm, da er bereits seit fast einer Stunde am Singen war. Nachdem er seine Sachen gepackt hat kommt er zu uns an den Tisch und wir tauschen uns noch eine Zeit lang aus. Der sympathische Neunzehnjährige beeindruckt uns von Neuem. Seine nächste Station ist Sete – ca. 100 km entfernt. Er nennt uns noch einige gute Orte und Stellen in den Orten, wo wir gute Auftrittsbedingungen und freundliche Restaurantbetreiber vorfinden können.  Wir verabschieden uns von ihm und wünschen uns gegenseitig weiter eine gute Zeit.
 Der Wirt der Pizzeria begrüßt uns wie alte Bekannte und erlässt uns einen Teil der Rechnung. Wir beginnen erneut direkt dort mit dem Spielen. Es ist nicht ganz so voll, wie an den Tagen zuvor, aber immer noch gut gefüllt. Wiederum erhalten wir für unsere Musik und unser Auftreten viel Beifall und Zuspruch. „The searching“ (Sir Ching - …) entwickelt sich zu unserem Lieblingsopener.
Es ist von Vorteil, einen Ort schon recht gut zu kennen. Wir wissen, wo und wie wir in welchem Restaurant und in welcher Bar beginnen und fortfahren können. Den Menschen gefällt unsere Musik, egal wo wir singen. Willys Stimme hält und er gibt alles. Man merkt ihm die Freude am Singen und daran an, dass es tatsächlich funktioniert.

Auf dem großen Platz begeistern wir nicht nur die Speisenden – viele Promenierende bleiben stehen, ganze Kindertrauben folgen uns, wohin wir uns auch wenden, lassen sich in unserer Nähe nieder, wenn wir an einer Stelle verweilen, folgen uns weiter mit strahlenden Gesichtern.
Wir beenden unsere Runde in einer Bar an der ruhigen Hauptstraße, wo wir freudig begrüßt werden. Die Kellner geben uns ein Bier aus, wir starten mit „I want my baby back“ und rocken den Laden. Als wir gerade einpacken wollen, erhalten wir eine großzügige Spende von einem Jungen, der mit seinen Eltern vor dem Thai-Laden gegenüber sitzt. Sie wünschen sich „Farting Joe“. Wir freuen uns über den Wunsch, queren die Straße, unterhalten uns ein wenig mit den Amerikanern und singen dann das gewünschte Lied in unserer Maxiversion – der Übergang zurück aus dem Swing-Teil in den abschließenden Refrain klappt immer besser. Die Amerikaner haben viel Spaß mit uns und dem Lied und beschenken uns abschließend erneut, als wir bereits am Einpacken sind.

Nicht zum ersten Mal werden wir gefragt, ob wir Engländer oder Iren sind und wo wir genau herkommen. Und nicht zum ersten Mal ernten wir für die Tatsache, dass wir aus Deutschland kommen Staunen. Unserer Aussprache nach werden wir unter anderem als Engländer aus Brighton.
Ein leckeres Eis rundet den Abend ab und wir fahren gemütlich zurück zum Campingplatz, um den Abend an der Bar, die uns ganz alleine gehört, ausklingen zu lassen.


Tipp des Tages: Man braucht nicht jeden Tag einen Tipp des Tages!

 

Dienstag, 27.07.10
Wir besuchen die Pont du Gard, 18 km von Uzès entfernt malerisch fern der Straßen gelegen. Es ist brütend heiß und am Vormittag herrscht noch wenig Betrieb, was sich aber im Lauf des Tages ändert.


Das römische Aquädukt ist zur Gänze erhalten und lädt zum Verweilen und zur Querung des Gard in luftiger Höhe. Beeindruckend sind sowohl das Bauwerk selber als auch das angegliederte Museum. Wir genießen die Wärme, die Natur, nach und nach bevölkern sich beide Ufer mit Menschen, bald herrscht reger Kanuverkehr in Fließrichtung, zahlreiche Sprachen erklingen.


Gegen Abend fahren wir gemütlich in die Stadt. Etwas ist anders: Zum ersten Mal sehen wir mehrere andere Straßenmusiker und –künstler. Darunter einen Franzosen, der zu seiner Gitarre Chansons zu Besten gibt, eine Harfenistin, eine „Statuen-Künstlerin“, die auf einem Sockel steht und auf eine Spende hin in Bewegung gerät, um dann wieder zu erstarren, erneut treffen wir auf den unfreundlichen Akkordeonspieler, der diesmal ohne seinen Partner unterwegs ist. Er ignoriert  unsere Grüße und zieht – schön spielend – weiter.
Wir finden uns in der edlen Terrassen-Pizzeria mit direktem Blick auf den Burgturm ein und erhalten von der resoluten Betreiberin freundliche und klare Anweisungen, wo wir uns positionieren dürfen. Wir starten in der Warteecke für Zuspätgekommene, die mit einem Getränk vertröstet werden, bis ein Tisch frei wird.
Bereits nach dem zweiten Lied kommt die Betreiberin zu uns und zeigt sich von einer ganz anderen Seite. An Stelle von Kühle und Reserviertheit sind Begeisterung und Freude getreten. Die Bediensteten schwingen sich im Rhythmus unserer Musik durch die eng gestellten Tische und Stühle, wir erhalten für unsere in der Lautstärke gut an die Örtlichkeit angepasste Musik und unsere Liedauswahl viel Applaus. Besonders beeindruckend ist die zunächst verunsichernde Stille nach „My Babe“, das sich immer mehr zu einem Publikumsrenner entwickelt und auch uns jedes Mal von Neuem große Freude bereitet. Erst nach einem kurzen Moment fängt ein Gast vorsichtig zu klatschen an. Langsam steigert sich der Applaus und hält lange an – unglaublich!
Bevor wir gehen werden wir von der Wirtin verabschiedet – sie versichert uns begeistert, dass wir jederzeit wieder bei Ihr spielen dürfen, gerne jeden Abend und beschenkt uns zusätzlich mit einem Beitrag in unsere Schatulle. Unter den Gästen befanden sich – wie auch in den anderen Lokalen – an diesem Abend weniger Franzosen als sonst, dafür mehr Holländer und Engländer. Tatsache ist, dass die Franzosen Straßenmusik wesentlich mehr wertschätzen als die anderen Nationen.

Wir kämpfen uns anschließend durch zwei weitere Lokale, kommen aber selber nicht mehr so recht in Gange. Nachdem wir fünf Tage lang alles gegeben haben, wird uns deutlich, dass wir bei aller Begeisterung nicht mehr so können, wie wir gerne wollen. Die Stimmen brauchen Erholung, die Konzentration ist schwieriger zu halten. Wir beschließen also, den Abend gemütlich ausklingen zu lassen, laden uns zu einem leckeren Eis ein, schnacken hier und dort mit den Restaurantbetreibern und –angestellten, trinken noch etwas.

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Bei unserer abschließenden Runde über den Marktplatz treffen wir auf drei junge Engländerinnen, mit denen wir uns länger unterhalten, wir bringen ihnen „the searching“ als Ständchen, eine spielt mit der Geige dazu; zwei von ihnen waren vor kurzer Zeit in Berlin, die Geigerin hat viel in den U-Bahngängen gespielt und diese in guter Erinnerung behalten. Zu erwähnen ist auch noch Muriel, eine Französin, die stark angetrunken aber sehr herzlich mit dabei war und sich über unsere Musik sehr gefreut hat. Möge sie bessere Tage sehen und an freundliche Menschen geraten.
Schließlich begeben wir uns zufrieden zurück auf den Campingplatz. An der Bar lassen wir den Abend ausklingen.

Willy schläft das erste Mal wieder bei mir im Wohnmobil, da ihn die Kleinstmücken mittlerweile mehr als 30-mal gestochen haben. Florian genießt wiederum unbehelligt die Nacht unter freiem Himmel – ohne Mückenmale. Keiner außer Willy ist diesen Mücken bisher begegnet, aber die Zeichen auf seinem Körper sprechen für deren Existenz.

 

Mittwoch, 28.07.10
Ruhetag – auftrittstechnisch. Wir lassen es uns gut gehen. Ein ausgiebiges Frühstück bis hinein in den Nachmittag. Es ist brütend heiß und wir freuen uns, auf unserem Platz viel Schatten genießen zu können. Ich schnappe mir meine Gitarre, während Willy und Florian sich im Pool erfrischen. Zum ersten Mal singe und spiele ich vor mich hin – Erinnerungen an meinen letzten Wohnmobil-Frankreichurlaub mit Carsten am Atlantik werden wach. Florian greift zu seiner Gitarre, als er wieder zurückkommt und wir spielen ein paar Songs, die wir noch nicht fest im Repertoire haben – der Gesangssatz von „hear me calling“ wird gemeinsam mit Willy genauso angegangen wie „she is“. Es klingt schön und erfreut unsere Herzen. Als wir die Instrumente weglegen wollen perlt mir eine Akkordfolge durch die Finger. Willy schaut erstaunt auf, Flo streut geschmeidige Läufe ein und mir wird klar – das kann was werden. Zettel und Stift sind schnell bei der Hand und wir beschäftigen uns begeistert mit den Akkorden und Läufen von „all things fade away“, eine Melodie entsteht wie von selber, der Text ist originell und einfühlsam/ergreifend – voller emotionaler Dichte. Wir sind zufrieden mit uns.
Es wird geboult, Volleyball gespielt, ich lese ergriffen „Dienstags bei Morrie“ zu Ende. Dann geht es für ein langes gemütliches  Essen in den Ort.

Wir verabschieden uns persönlich – zum Teil auch mit ein paar Liedern - von den Menschen, die wir kennengelernt haben: den vielen Bediensteten, dem sympathischen Pizzeriabetreiber, den freundlichen Leuten in der Eckkneipe und fahren erfüllt und zufrieden zurück zum Campingplatz. Wieder klingt der Abend an der Bar aus.

Es ist ein herrlicher Abend und die ersten Überlegungen für das nächste Jahr werden angestellt. Wer weiß – vielleicht werden wir wieder hier sein. Dieser wunderschöne Ort mit all den Begegnungen, die uns geschenkt wurden, hat uns begeistert und gefangen genommen. Wir werden uns gerne und häufig an unsere schöne Zeit hier in Usèz erinnern.

 

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